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Artikel Tagged ‘Fetischismus’

Zum Begriff des Fetischismus

10. September 2010 Keine Kommentare

Zu Herkunft und Bedeutung des Begriffs „Fetischismus“ führt Stephan Grigat in dem schon etwas älteren Aufsatz Kritik des Fetischismus:

„Das Wort ‚Fetisch‘ stammt aus dem Portugiesischen, wo ‚feitico‘ Zauber
bedeutet. Die im Spanischen, Portugiesischen und Französischen daraus entstandenen Wörter bezeichnen Dinge wie Täuschungen, Fälschungen, Künstlichkeit, Schminke oder auch Schmuck. Ein Fetisch ist ein Ding, dem unabhängig von seiner realen Beschaffenheit Eigenschaften zugeschrieben werden, die es nicht von Natur aus besitzt.
Beispielsweise ein Stück geschnitztes Holz, dem die Eigenschaft zugeschrieben wird, Regen herbeizuführen. Auch wenn das Stück Holz diese Eigenschaft nicht von Natur aus besitzt, so scheint sie ihm doch von dem Augenblick an natürlich anzuhaften, von dem an es sich gesellschaftlich durchgesetzt hat, daß ihm diese Eigenschaft zuerkannt wird. Die Menschen beginnen danach zu handeln und der Fetisch wird gesellschaftlich wirksam.

Den Begriff des Fetisch hat Marx der ethnologischen Fetischismustheorie entnommen. Er kannte Charles de Brosses Fetischstudie aus dem 18. Jahrhundert, durch die der Fetischbegriff auch in Deutschland unter Mithilfe Goethes, Wielands, Kants und Hegels in den allgemeinen Sprachgebrauch einging. Bezog sich die Ethnologie auf den archaischen Fetischismus, nahm Marx das Wort auf, um ihn als Metapher und Begriff zur Erklärung des Fetischismus in der Ökonomie zu benutzen.

In dem Buch „Fetisch und Freiheit“ gibt es ganz ähnliche, in Teilen jedoch etwas ausführlichere Ausführungen dazu. Bei Wolfgang Fritz Haug finden wir die Folgenden Ausführungen:

„Es ist nützlich, das Wort Fetisch zu übersetzen. Es kommt aus dem Portugiesischen und leitet sich vom lateinischen facticium, dem Partizip Perfekts von facere (machen). Wie jedes Produkt ist es zunächst ein ‚Gemachtes‘. Doch wie im Spanischen das vom Perfektpartizip von hacer (machen), hecho, abgeleitete hechizo nimmt es dann die Bedeutung von ‚Hexerei‘ an. Marx zeigt nun, wie die Warenform die Produkte verhext, sobald sie sich ihrer bemächtigt. Die Menschen haben die Produkte gemacht. Aber indem sie die Produkte austauschen, machen sich die Produkte selbständig und rufen durch ihre Bewegung die Gesetzmäßigkeiten hervor, die dann rückwirkend das Machen neuer Produkte steuern. Das heißt, an den Produkten entfaltet sich eine Macht über ihre Macher; sie kommandiert das machen, allerdings immer erst nachträglich. Diese Macht der Machwerke über die Machenden bezeichnet der Fetischcharakter. Fetisch heißt ja letztlich wiederum Machwerk, wenn auch die Bedeutung sich zu Macht-Werk verschoben hat und das portugiesische Wort feitico dann so viel wie Zauber heißt.“ (S. 161f.)

Quelle:
Wolfgang Fritz Haug:
Vorlesungen zur Einführung ins Kapital.
Hamburg:Argument 2005

Sekundäres zum Fetischismus

10. September 2010 Keine Kommentare

Hier einige Erläuterungen zum marx’schen Begriff des Warenfetisch: Mehr…