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Artikel Tagged ‘Individuum und Gesellschaft’

Sekundäres zum Fetischismus

10. September 2010 Keine Kommentare

Hier einige Erläuterungen zum marx’schen Begriff des Warenfetisch: Mehr…

Warentausch =/= Menschlich

8. September 2010 Keine Kommentare

Die „ungesellschaftliche Gesellschaftlichkeit“ (Marx) einer auf Waren-, Staats-, Subjekt- und Rechtsform basierten Gesellschaft, wird von Marx selbst bereits im berühmten Monadenzitat angerissen:

Die Freiheit ist also das Recht, alles zu tun und zu treiben, was keinem andern schadet. Die Grenze, in welcher sich jeder dem andern unschädlich bewegen kann, ist durch das Gesetz bestimmt, wie die Grenze zweier Felder durch den Zaunpfahl bestimmt ist. Es handelt sich um die Freiheit des Menschen als isolierter auf sich zurückgezogener Monade.

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Gesellschaft, die subjektlose „zweite Natur“

8. September 2010 Keine Kommentare

Das Diktum der „Geschichte als Geschichte der Klassenkämpfe“ geht davon aus, dass sich Gesellschaft als dialektischer Prozess zwischen herrschenden und beherrschten Subjekten entwickelt. Robert Kurz hingegen argumentiert, dass Gesellschaft vielmehr als „Geschichte von Fetisch-Konstitutionen“ zu verstehen sei, wobei die „zweite Natur“ des Menschen, sprich die Entkoppelung von der biologischen, instinkthaften „ersten Natur“ bereits den Grundstein einer Gesellschaft ausserhalb des Subjektes begründet: Mehr…

Zur Dialektik von Individuum und Gesellschaft in der Theorie der Strafe

5. September 2010 Keine Kommentare

Michel Foucault diskutiert die moderne Strafpraxis in Anlehnung an die Überlegungen des Rousseau’schen Gesellschaftsvertrages als Dialektik von Individuum und Gesellschaft:

„Auf der Ebene der Prinzipien läßt sich diese neue Strategie leicht innerhalb der allgemeinen Vertragstheorie formulieren. Der Bürger hat darin ein für allemal mit den Gesetzen der Gesellschaft auch das Gesetz angenommen, das ihn zu strafen droht. Der Kriminelle erscheint somit rechtlich gesehen als ein paradoxes Wesen. Er hat den Vertrag gebrochen, ist also der Feind der gesamten Gesellschaft, beteiligt sich aber an der Bestrafung, die an ihm vollzogen wird. Das geringste Vergehen greift die ganze Gesellschaft an; und die ganze Gesellschaft – einschließlich des Kriminellen – ist in der geringsten Bestrafung anwesend. Die Bestrafung ist also eine verallgemeinerte Funktion, die mit dem Gesellschaftskörper und mit jedem seiner Elemente koextensiv* ist. Es stellt sich also das Problem des ‚Maßes‘ und der Ökonomie der Strafgewalt.
Die Gesetzesübertretung setzt in der Tat ein Individuum dem gesamten Gesellschaftskörper entgegen. Die Gesellschaft hat das Recht, sich in Gesamtheit zur Bestrafung des Individuums zu rüsten. Ein ungleicher Kampf: auf einer einzigen Seite alle Kräfte, alle Macht, alle Rechte. Und es muß so sein, denn es geht um die Verteidigung eines jeden. Ein unheimliches Recht auf Bestrafung konstituiert sich auf diese Weise, da der Rechtsbrecher zum gemeinsamen Feind wird. ( … )“ (S. 114)

* Koextensiv (coextensive) bedeutet flächen-, deckungs- oder inhaltsgleich.

Etwas später schreibt er dann, durchaus zum ersten Zitat passend:

„An den Ausgangspunkt kann man also den politischen Plan stellen die Gesetzwidrigkeiten genau zu erfassen, die Bestrafung zu verallgemeinern und die Strafgewalt zu kontrollieren und einzugrenzen. Daraus ergeben sich zwei Linien der Objektivierung von Verbrechen und Verbrecher. Einerseits wird der Verbrecher als Feind aller bezeichnet, den zu verfolgen alle ein Interesse haben, er fällt aus dem Vertrag heraus, disqualifiziert sich als Bürger und wird zu einem, der ein wildes Stück Natur in sich trägt. ( … ) Auf der anderen Seite folgen aus der Notwendigkeit, die Wirkungen der Strafgewalt von innen zu messen, Vorschriften für die Interventionstaktiken gegenüber Verbrechern, den wirklichen und den möglichen ( … )“ (S. 129f.)

Es finden hier also zwei verschiedene Objektivierungen statt (vgl. auch S. 130f.): einerseits auf gesellschaftlicher Ebene, wo Gesetze kodifiziert werden. Andererseits auf individueller Ebene, wo Individuen als Subjekte wissenschaftlich erfasst und bewertet werden sollen.

Quelle:
Michel Foucault:
Überwachen und Strafen.
Frankfurt am Main:Suhrkamp 1994

Herrschaft des Allgemeinen über das Besondere

2. September 2010 Keine Kommentare

„Die Abstraktheit des Tauschwerts geht vor aller besonderen sozialen Schichtung mit der Herrschaft des Allgemeinen über das Besondere, der Gesellschaft über ihre Zwangsmitglieder zusammen. ( … ) In der Reduktion der Menschen auf Agenten und Träger des Warentauschs versteckt sich die Herrschaft von Menschen über Menschen. ( … ) Der totale Zusammenhang hat die Getalt, daß alle dem Tauschgesetz sich unterwerfen müssen, wenn sie nicht zugrunde gehen wollen, gleichgültig, ob sie subjektiv von einem ‚Profitmotiv‘ geleitet werden oder nicht.“

Quelle:
Theodor W. Adorno: Gesellschaft
In: Soziologische Schriften I
1. Auflage
2003/1965
Frankfurt am Main:Suhrkamp
Seite 14

Adorno benennt hier einen relevanten Punkt für eine Form-Kritik: moderne Gesellschaften zeichnen sich durch ein zusammenwirken von gesellschaftlicher Allgemeinheit und individueller Besonderheit aus. Dabei wäre zu zeigen, wie einerseits Universalität und Partikularität als auch Gleichheit und Freiheit als hierauf rekurrierende Pole durch die gesellschaftliche Praxis hervorgebracht werden.