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Artikel Tagged ‘Realabstraktion’

Die Realabstraktion als Form

22. Januar 2012 1 Kommentar

Zum Formbegriff bei Marx äußerte sich auch Alfred Sohn-Rethel, wenn auch sicherlich in noch sehr unausgereifter Form. Daher hier nur ganz kurz das wesentliche:

„Geistesform und Gesellschaftsform haben das gemeinsam, daß sie ‚Formen‘ sind. Die Marxsche Denkweise ist durch eine Formauffassung gekennzeichnet, in der sie sich von allen anderen Denkweisen unterscheidet. Sie leitet sich von Hegel her, aber nur, um auch sogleich von Hegel abzuweichen. Form ist für Marx zeitbedingt. Sie entsteht, vergeht und wandelt sich in der Zeit. Form als zeitgebunden zu verstehen, ist Kennzeichen dialektischen Denkens und stammt von Hegel. Aber bei Hegel ist der formgenetische und formverändernde Prozeß, wie schon ausgeführt, primär Denkprozeß. Er konstituiert die Logik.“ (S. 9) Mehr…

Sohn-Rethel zur Realabstraktion

10. September 2010 Keine Kommentare

Der Begriff der Realabstraktion stammt von Alfred Sohn-Rethel. Der schreibt dazu:

„Das Wesen der Warenabstraktion aber ist, daß sie nicht denkerzeugt ist, ihren Ursprung nicht im Denken der Menschen hat, sondern in ihrem Tun. Und dennoch gibt das ihrem Begriff keine bloße metaphorische Bedeutung. Sie ist Abstraktion im scharfen wörtlichen Sinne. Der ökonomische Wertbegriff, der aus ihr resultiert, ist gekennzeichnet durch vollkommene Qualitätslosigkeit und rein quantitative Differenzierbarkeit und durch Anwendbarkeit auf jedwede Art von Waren und von Dienstleistungen, welche auf einem Markt auftreten mögen. Mit diesen Eigenschaften hat die ökonomische Wertabstraktion in der Tat frappante äußere Ähnlichkeit mit tragenden Kategorien der quantifizierenden Naturerkenntnis (…). Während die Begriff der Naturerkenntnis Denkabstraktionen sind, ist der ökonomische Wertbegriff eine Realabstraktion. Er existiert zwar nirgends anders als im menschlichen Denken, er entspringt aber nicht aus dem Denken. Er ist unmittelbar gesellschaftlicher Natur, hat seinen Ursprung in der raumzeitlichen Sphäre zwischenmenschlichen Verkehrs. Nicht die Personen erzeugen diese Abstraktion, sondern ihre Handlungen tun das, ihre Handlungen miteinander.“ (S. 41f)

Quelle:
Alfred Sohn-Rethel:
Geistige und körperliche Arbeit.
Zur Theorie der gesellschaftlichen Synthesis.
Frankfurt am Main 1970,

Der gesellschaftliche Zusammenhang, abstrakt

8. September 2010 Keine Kommentare

Das Kapital als sich verwertender Wert wirkt nicht einfach als Gedankenkonstrukt, sondern als reales Prinzip, das die Welt nach dem eigenen Bilde zu formen sucht:

„Die Warengesellschaft ist historisch die erste Gesellschaft, in der der gesellschaftliche Zusammenhang abstrakt wird, getrennt vom Rest, und diese Abstraktion als Abstraktion zur Wirklichkeit wird. Der konkrete Aspekt der Dinge ordnet sich der Abstraktion unter, und deshalb entwickelt die Abstraktion zerstörerische Folgen. Die abstrakte Arbeit reduziert alles auf dasselbe, auf eine einfache oder multiplizierte Verausgabung der allen Menschen gemeinsamen Arbeitsfähigkeit, so dass die Arbeit erst dann gesellschaftlich wird, wenn sie jeder konkreten gesellschaftlichen Bestimmung entkleidet ist. Wenn die Gesellschaftlichkeit eines Dings oder einer Arbeit nicht in der Nützlichkeit besteht, sondern nur in der Fähigkeit, sich in Geld zu verwandeln, werden die gesellschaftlichen Entscheidungen nicht im Hinblick auf den individuellen oder kollektiven Nutzen getroffen. Der Inhalt der konkreten Arbeiten, ihre Voraussetzungen, ihre gesellschaftlichen Folgen, ihre Auswirkungen auf Produzenten und Konsumenten, ihre Umweltverträglichkeit sind nicht mehr Teil ihres gesellschaftlichen Charakters. Gesellschaftlich ist nur der automatische und unkontrollierbare Prozess, bei dem Arbeit in Geld verwandelt wird. Die Unterordnung der Nützlichkeit der Produkte, die zur rein privaten Dimension wird, unter ihre Austauschbarkeit, ihrer einzigen gesellschaftlichen Dimension, muss zwangsläufig zu katastrophalen Ergebnissen führen.“ (S. 51)

Quelle:
Anselm Jappe:
Die Abenteuer der Ware.
Münster 2005.