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Eigentum und Individualität

2. September 2010 Keine Kommentare

„Privateigentum gibt es nur dort, wo der Mensch zum Individuum wird, in der Individualität entdeckt der Mensch seine Freiheit, die er geschützt wissen will durch die Privatsphäre. Tatsächlich findet sich die gesellschaftliche Notwendigkeit, den Menschen als Individuum hervorzubringen, in den materiellen Produktionsverhältnissen, das heißt in der besonderen Form der Arbeit, die mit dem Kapitalismus entsteht. Der Kapitalismus ist eine Tauschökonomie, in der der Mensch gerade deshalb als In=dividuum, also wörtlich Unteilbares, agiert, weil nur so von ihm etwas abgeteilt werden kann: Nicht das Arbeitsprodukt wird verkauft, sondern die Arbeitskraft, gemessen in abstrakten Zeiteinheiten. Und: Was produziert wird ist nicht das Eigentum des Produzenten, sondern das Eigentum desjenigen, dem der Produzent sein in diesem sozialen Verhältnis einziges Eigentum, nämlich seine Arbeitskraft, verkauft hat. Diese gesellschaftliche Eigenschaft des Menschen eine Eigenschaft zu besitzen, wird zu einer individuellen Eigenschaft. Umgekehrt verwandeln sich seine individuellen Eigenschaften in gesellschaftliche – aus dem besonderen Charakter des Menschen werden allgemeine Soft Skills.“

Quelle:
Roger Behrens: Diebstahl ist Eigentum.
In: OPAK. Wir müssen reden. 06/2010

Der Versuch, das (Privat-)Eigentum auf seine notwendige Verknüpfung mit der Warenproduktion hin zu untersuchen, ist interessant – auch wenn die Auflösung über den Verkauf der Arbeitskraft nicht wirklich überzeugen kann. Denn dann würden Ich-AG und genossenschaftliche Produktion am Markt (bei der im strengen Sinne erstmal kein Verkauf der Arbeitskraft vorliegen dürfte) aus dem kapitalistischen Universum ausgeschlossen sein.