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Artikel Tagged ‘Subjekt’

Konkurrenz statt Solidarität

5. Juli 2013 Keine Kommentare

Immer wieder wird davon ausgegangen, Menschen seien eben so oder so. Das Menschen aber im Wesentlichen durch ihre bisherigen Erfahrungen und ihre soziale Umwelt geprägt werden, machen die folgenden von Friederike Habermann gesammelten Beispiele deutlich:

„Die Frau schreibt einen Brief, doch dann fällt ihr der Stift zu Boden. Sie beugt sich über den Schreibtisch und versucht, nach ihm zu greifen, schafft es aber nicht. Da erkennt der kleine Junge, dass er ihr helfen kann. Er geht zum Stift, hebt ihn auf und reicht ihn der Frau. Es handelt sich um ein Experiment mit 20 Monate alten Kindern: In einer ersten Phase zeigen sich fast alle hilfsbereit gegenüber Erwachsenen, denen Gegenstände entgleiten und die sich scheinbar vergeblich bemühen, sie wieder aufzuheben. Danach werden die Kinder willkürlich auf drei Gruppen verteilt: In der ersten reagiert die erwachsene Person gar nicht auf die Hilfe des Kindes, in der zweiten lobt sie das Kind und in der dritten belohnt sie es mit einem Spielzeug. Ergebnis: Während die Kinder der ersten und zweiten Gruppe weiterhin wie selbstverständlich helfen, zeigen die Kinder der dritten Gruppe überwiegend nur noch dann Hilfsbereitschaft, wenn sie dafür belohnt werden (Warneken/Tomasello 2008). Mehr…

Foucault zur Form Subjekt

20. September 2010 1 Kommentar

Es gibt einige wenige Stellen, in denen Foucault versucht, die Spezifik moderner Individualität im Unterschied zur Vormoderne auf den Punkt zu bringen. Etwa, wenn er über die Prüfung schreibt:

„Als rituelle und zugleich ‚wissenschaftliche‘ Fixierung der individuellen Unterschiede, als Festnagelung eines jeden auf seine eigene Einzelheit (im Gegensatz zur Zeremonie, in der Standeszugehörigkeiten, Abstammungen, Privilegien, Ämter zu unübersehbarem Ausdruck kommen),zeigt die Prüfung das Heraufkommen einer neuen Spielart der Macht an, in der jeder seine eigene Individualität als Stand zugewiesen erhält, in der er auf die ihn charakterisierenden Eigenschaften, Maße, Abstände und ‚Noten‘ festgelegt wird, die aus ihm einen ‚Fall‘ machen.“ (S. 247) Mehr…

Entfremdung und Subjektivität

14. September 2010 2 Kommentare

Moishe Postone beschreibt in Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft die kapitalistische Gesellschaft als eine, in der Entfremdung auf ganz spezifische Weise realisiert würde. Über das Karl Marx und dessen Kritik der politischen Ökonomie schreibt er in diesem Zusammenhang:

„So analysiert er im Kapital die Konstitution einer universellen gesellschaftlichen Form durch die entfremdete Arbeit nach zwei Seiten: sowohl als Struktur, in der menschliche Kapazitäten historisch erst geschaffen werden, wie auch als Struktur abstrakter Herrschaft. Diese entfremdete Form führt zu einer raschen Akkumulation des gesellschaftlichen Reichtums und des Produktivpotentials der Menschheit, bringt aber ebenso die zunehmende Fragmentierung der Arbeit, die formale Reglementierung der Zeit und die Zerstörung der Natur mit sich. Die Strukturen abstrakter, durch bestimmte Formen gesellschaftlicher Praxis konstituierter Herrschaft lassen einen gesellschaftlichen Prozess entstehen, der außerhalb menschlicher Kontrolle liegt. Sie bringen aber auch die historische Möglichkeit hervor, daß die Menschen das von ihnen gesellschaftlich in entfremdeter Form Konstituierte kontrollieren können.“(S. 251)

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Warentausch =/= Menschlich

8. September 2010 Keine Kommentare

Die „ungesellschaftliche Gesellschaftlichkeit“ (Marx) einer auf Waren-, Staats-, Subjekt- und Rechtsform basierten Gesellschaft, wird von Marx selbst bereits im berühmten Monadenzitat angerissen:

Die Freiheit ist also das Recht, alles zu tun und zu treiben, was keinem andern schadet. Die Grenze, in welcher sich jeder dem andern unschädlich bewegen kann, ist durch das Gesetz bestimmt, wie die Grenze zweier Felder durch den Zaunpfahl bestimmt ist. Es handelt sich um die Freiheit des Menschen als isolierter auf sich zurückgezogener Monade.

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Schall und Form: Wertkritisches bei Tocotronic

8. September 2010 Keine Kommentare

Eine Annäherung an Form als gesellschaftliches Dispositiv, lässt sich bei weitem nicht nur durch ein friendly reading soziologischer oder psychologischer Theorie  bewerkstelligen. So die Form das bestimmente Moment unserer Gesellschaft ist, sollte sie sich auch in alltäglichen Erscheiningen, wie Kunst, Literatur und Film wiederfinden. Ein Beispiel hierfür bietet ‚Schmendi‘ in einer Rezension über die Band Tocotronic an: Mehr…